„Karvane“

Verschollene Collagen von Hannah Höch

Memmingen – Schon der Titel der Ausstellung wirft viele Fragen auf. Was hat eine Karawane mit verschollenen Collagen der Berliner Künstlerin Hannah Höch zu tun? Ausgangspunkt sind eben diese nicht mehr auffindbaren Werke Höchs, die nur noch als Schwarz-Weiß-Reproduktionen dokumentiert sind. Die Initiatoren der Ausstellung, die KünstlerInnen Martin G. Schmid, Jaro Straub und Christl Mudrak, forschen zu diesen Collagen. In der Ausstellung übersetzen nun zahlreiche KünstlerIinnen die verlorenen Werke in ihrer eigenen künstlerischen Arbeitsweise.
Die Ausstellung ist etwas Besonderes, da sie auf Reisen geht und sich mit jeder neuen Präsentation auch wandelt. Die Verbindung zur Karawane ist somit Teil des Konzepts und nimmt auch Bezug auf das Leben Höchs. Der Titel „Karvane“ bezieht sich klar auf die Sport-Berger-Karawane aus den späten 1930er Jahren. Der nierenförmige Wohnanhänger war damals sehr beliebt und wurde im Volksmund auch »Wanderniere« genannt. Zusammen mit ihrem Ehemann unternahm Hannah Höch etliche ausgedehnte Reisen mit dem Auto und ihrer „Karvane“. Nach der Machtergreifung des Naziregimes wurde Höch mit Ausstellungsverbot belegt und konnte nicht emigrieren. Als „entartete Künstlerin“ reiste sie etwa durch das national-sozialistische Deutschland und die bedrohten Niederlande. Zahlreiche Tagebuch-Eintragungen, die auch in der Ausstellung zu sehen sind, zeugen davon. Alle eingeladenen künstlerischen Positionen vereinen ein kreatives Verhältnis zur Collage sowie eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Reisen und dem Verschollenen. Die Bandbreite der Ergebnisse ist groß. Barbara Breitenfellner zeigt mit eigenen Collagen einen klaren Bezug zu Höch. Christl Mudrak nimmt das Höch- Zitat „Ganzen Tag gemalt im Wagen“ wörtlich und überführt die flache Collage ins Dreidimensionale – Kaktus und Auto inklusive. Robert Dostal widmet sich in seinen Arbeiten, die wie farbige Teppiche von der Decke hängen, dem Verschollenen an sich. Mit unzähligen, sich überlagernden Farbschichten verweist er darauf, dass Dinge mit der Zeit Schicht um Schicht in den Hintergrund und so in Vergessenheit geraten können.


Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. März in der MEWO Kunsthalle, Bahnhofstraße 1. Weitere Infos: www.mewo-kunsthalle.de