Ihre Kulturtipps für daheim

Liebe Leserinnen und Leser,
in der aktuellen Ausgabe des Memminger Monat fragen wir, ob Sie in den vergangenen Monaten ohne kulturelle Veranstaltungen neue Wege gegangen sind, um Ihre Freizeit abwechslungsreich zu gestalten oder neue Entdeckungen gemacht haben.

Ihre Einsendungen möchten wir an dieser Stelle vorstellen. Wir freuen uns, dass sich auch einige Kulturschaffende der Stadt Memmingen zu Wort gemeldet haben. Vielen Dank dafür!

 


„Kurz vorausgeschickt: ich bin ich einer der Glücklichen, die noch zur Arbeit ins Büro gehen können und diese Abwechslung ist in der Tat sehr heilsam. Dennoch muss auch ich in Zeiten mangelnder Angebote – gerade außer Haus – den Alltag umgestalten.
Mir hat in dieser Situation jedenfalls die Musik geholfen. Und ich habe mir vorgenommen, alte, liebgewonnene Alben aus der Jugendzeit einem kritischen Nachhören zu unterziehen. Das war eine willkommene Zerstreuung und die meisten Alben haben den Test bestanden.
Ansonsten bleibt natürlich auch das Serienerlebnis in diversen Mediatheken nicht aus. ‚Years and Years‘ hat es mir da besonders angetan. Die Bücherlektüre begleitet mich eigentlich immer, das hat sich in diesen Zeiten nicht geändert, aber auch nicht gesteigert. Ebenso verhält es sich mit dem Kochen. Die Freude daran habe ich durch meinen Vater mitbekommen und ich koche täglich. In der aktuellen Situation habe ich vielleicht wieder etwas mehr ausprobiert und mich an neue Rezepte gewagt. Aktuell mit dem Kochbuch ‚Simple‘ von Yotam Ottolenghi.
Und mit den ersten Frühlingsvorboten steigt auch die Lust ins Freie zu gehen und die frische Luft zu genießen. Darauf freue ich mich in den kommenden Wochen ganz besonders.“
Axel Städter, Presse/Öffentlichkeitsarbeit, MEWO Kunsthalle und Museen im Antonierhaus


„Ich habe Anfang Januar endlich meine über 30 Jahre alte Musikanlage gegen eine neuere Ausgabe ausgetauscht, da der Schallplattenspieler kaputt war, der CD-Spieler immer weniger CDs akzeptierte und Internetradio usw. natürlich gar nicht möglich waren. Jetzt sitze ich immer wieder begeistert vor den Lautsprechern und freue mich über die gute Musik und höre abwechslungsreiche Radiosendungen, u. a. aus den Städten in denen ich früher gewohnt habe.
Außerdem arbeite ich mich durch die bereits vorhandenen Bücherstapel und bestelle neue Werke zur Abholstation bei Osiander. Durch meine deutlich eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten schaffe ich momentan ansatzweise die Menge an Büchern, die ich eigentlich immer gerne lesen würde …“
Anne Verena Freybott, Chefdramaturgin am Landestheater Schwaben


„Den Lockdown verbringe ich mit viel Klavier spielen. Selber Musik machen ist wirklich Balsam für die Seele.
Dem Gefühl der Hilflosigkeit habe ich mit einem Online-Interview-Format „Kultur – In Zeiten von Corona“ den Kampf angesagt. Ich möchte zeigen, wie vielfältig Kultur hier vor Ort ist und natürlich auch den Kulturschaffenden Gehör verleihen.
Ich bin wirklich froh über die digitalen Möglichkeiten und bilde mich auch selber mit verschiedenen Vorträgen von Stiftungen etc. weiter. So habe ich auch den Eindruck, die Zeit zum Lernen zu nutzen und entgehe dem einen oder anderen Gefühl der Trauer.“
Regina Vogel (Leenders), Landestheater Schwaben, Schauspielerin


„Ich versuche mich möglichst selbst nicht zu ärgern, damit ich es auch gut mit mir aushalte, denn wenn das nicht klappt ist Hopfen und Malz verloren. Also koche ich mir gute Sachen. Außerdem lese ich wie wild alles was mir in die Finger kommt: Zeitung, Romane, Sachbücher, Kinderbücher oder Gebrauchsanleitungen. Filme, Serien oder (Live-)Streams gucke ich so gut wie  gar nicht. Vielleicht macht es mich traurig, Geschichten von Menschen anzusehen, die Dinge erleben. Oder ich kann den Input nicht genießen, weil er ja nicht richtig als Output wieder raus kann. Und der Output, der doch raus darf aus dem eigenen Kopf in Form von Liedern, Videos und anderem Quatsch, hat nicht mehr den Anspruch, das Beste, das Größte, das Herausragendste zu sein, sondern darf im Zweifelsfall auch für die Schublade stattfinden. Das erleichtert enorm. Aber wenn wir mal ehrlich sind, bietet nichts so richtig Alternative, denn Kultur ist nun einmal Dialog, und der findet mit echten Menschen in echten Räumen statt. Also sind es die bürgerlichen Aktivitäten, die uns Allen nun wild um die Ohren fliegen, und statt sie zu verteufeln, genieße ich sie. Bis vor kurzem habe ich noch geprobt, jetzt jedoch habe ich die Zeit pünktlich um 20 Uhr die Tagesschau zu gucken, fleißig zu spazieren, und ab und zu leihe ich mir sogar einen Schlitten aus.“
Franziska Roth, Landestheater Schwaben, Schauspielerin


„Zur Vorbereitung von neuen Projekten sehe ich mir regelmäßig digitale Portfolios und Ausstellungsdokumentationen an, aber natürlich bleibt da eine Leerstelle, wenn man über so eine lange Zeit keine reale Kunst und keine Ausstellung mehr sieht. Ab und zu habe ich mir in den letzten Wochen wissenschaftliche Vorträge über Zoom angesehen, gerade auch wenn alte Bekannte daran beteiligt waren. Meistens aber, besonders weil ich im Januar verletzungsbedingt einige Wochen zu Hause lag, habe ich einfach die Langeweile mit Krimiserien und andere Schmonzetten betäubt.
Digitale Kultur bietet da einen wunderbaren Moment des Innehaltens. Besonders schön finde ich zur Zeit die Montagsstücke der Bayerischen Staatsoper (auf www.staatsoper.tv), weil man sich pünktlich um 20:15 darauf einlassen muss. Der fixe Termin im Kalender behauptet schon fast, man hätte etwas vor.
Ich freue mich sehr auf neue Ausstellungen und Theaterbesuche und einfach schon auf eine Fahrt irgendwohin. Jedesmal, wenn ich beim Spazierengehen den neuen Zug sehe, der zwischen München und Zürich verkehrt, wünsche ich mir, in diesem Zugrestaurant einen Kaffee trinken zu können …“
Axel Lapp, MEWO Kunsthalle


Haben auch Sie inspirierende Ideen? Lassen Sie uns daran teilhaben!
Sie kennen ein besonderes digitales Angebot, das Ihren kulturellen Akku wieder lädt wie z. B. ein spezieller Museums-, Theater-, Konzert-, Opern-, Kunst-Link? Sie haben interessante Möglichkeiten gefunden, um sich künstlerisch zu informieren oder selber kreativ zu werden? Wie gestaltet sich Ihr Vereinsleben? Haben Sie alte Hobbys wieder neu entdeckt oder Freude an etwas komplett Neuem? Lernen Sie eine neue Sprache, ein Instrument? Und wie?
Gibt es Rituale, wie z. B. die alte Plattensammlung komplett durchzuhören oder jede Woche ein Buch zu lesen? Oder haben Sie beim Spaziergang durch die Stadt schöne Dinge entdeckt, die Ihnen vorher nie aufgefallen sind?
Und vor allem: Auf welche Veranstaltungen freuen Sie sich ganz besonders, wenn diese wieder möglich sind?

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen per Mail an magazin@pfandfrei.org